Folding Spectogram

Beteilige alle, zu einer Fragestellung mit kontroversen Meinungen zusammenzukommen und gemeinsam Ideen, Fragen oder Maßnahmen zu generieren, um …

… gezielt Platz für konträre Ansichten zu schaffen,
… für Verständnis zwischen den Extremen zu sorgen,
… Bereitschaft für Kompromisse und Neues herzustellen,
… trotz Gegensätzen gemeinsam voranzuschreiten.

15–20 Minuten

Beschreibung

Ein Kernelement der Liberating Structures ist, möglichst alle Teilnehmys gleichermaßen zu beteiligen. Sind viele Menschen anwesend, gelingt dies nur, wenn man sich in Kleingruppen aufteilt und dort alle zu Wort kommen. 1-2-4-All demonstriert das in Reinform: sie sammelt auf eine Art und Weise Stimmen, sodass jede Meinung im Raum mindestens einmal gehört wird und bereits in Kleingruppen zu zweit und dann zu viert eine Vorauswahl aus allen Beiträgen dieser Kleingruppe getroffen wird.

Folding Spectogram ist eine Variante von 1-2-4-All, bei der die Zusammensetzung der Kleingruppen nicht zufällig vorgenommen wird, sondern sich zunächst alle Beteiligten anhand einer Frage auf einem Kontinuum im Raum anordnen und diese Linie dann zweimal „gefaltet“ wird, um die Gruppen zu bilden.

Ablauf

  1. Das Facilitaty stellt eine Frage, auf die es keine binäre Antwort gibt, z. B. wie viele Liberating Structures wendest du regelmäßig an? Oder: siehst du eher Chancen oder eher Risiken bei der anstehenden Transformation? Es werden zwei Punkte im Raum als Anfangs- und Endpunkt definiert und alle Teilnehmys ordnen sich auf einer gedachten Linie zwischen den beiden Punkten an.
    Regel dabei: Es muss eine Linie sein, d. h. alle stehen nebeneinander und nicht auf einem Haufen (selbst wenn mehrere Menschen die gleiche Antwort gegeben haben).
    Tipp: Die Linie muss dabei nicht maßstabsgetreu die Zahlen abbilden, Sinn und Zweck ist es nur, eine absolute Reihenfolge herzustellen.
    Optional:  Bitte jemanden im ersten und im letzten Viertel des Spektrums darum, seinen Standpunkt zu teilen. Gib anschließend den Beteiligten die Möglichkeit, sich anhand der genannten Standpunkte neu einzusortieren. 
  2. Jetzt kommt das Falten: die erste Hälfte bleibt stehen, die zweite Hälfte der Linie bewegt sich wie ein Uhrzeiger auf die erste Hälfte zu, d. h. der Mensch am Ende der Linie geht langsam auf den Menschen am Anfang der Linie zu und alle anderen folgen ihm und bleiben vor dem dann jeweils nächsten freien Teilnehmy stehen. Wow, das ist wirklich schwerer zu erklären als zu machen (Zwinkern).
    Jetzt stehen sich jeweils 2 Menschen gegenüber und praktizieren das „2“ aus dem 1-2-4-All. Sie unterhalten sich also zu zweit zwei Minuten lang über die gestellte Frage.
    Das Facilitaty bittet die entstanden Paarungen darum, sich jeweils ihre Sicht der Dinge darzulegen und sich dabei gut zuzuhören.
    Tipp: Weise darauf hin, dass es an dieser Stelle nicht ums Argumentieren und Überzeugen geht, sondern darum, Verständnis füreinander zu erzeugen.
  3. Anschließend wird noch einmal auf die gleiche Art und Weise gefaltet, allerdings diesmal in den bestehenden Paaren, sodass Vierergruppen entstehen.
  4. In den Vierergruppen stellen sich die beiden Paare ihren jeweiligen Diskussionsstand vor und treffen eine Vorauswahl an Aspekten, die im „All“ noch geteilt werden sollen.
  5. Abschließend werden die Ergebnisse aus den Vierergruppen mit allen im Raum geteilt und bei Bedarf für die weitere Verarbeitung festgehalten.
Folding Spectogram: Zweimal falten entlang des Spektrums der Meinungen

Was wird ermöglicht?

Folding Spectogram ist vom Ergebnis her genau wie 1-2-4-All. Allerdings gibt es einige Aspekte, in denen es sich unterscheidet:

  • Die stille Reflexion während des „1“ im 1-2-4-All wird ersetzt durch das innerliche und physische Einsortieren entlang des Spektrums. Es entsteht sofort eine non-verbale Art der Kommunikation, die selbst bei kontroversen Themen auflockert.
  • Ich erfahre im ersten Schritt direkt, wo ich ungefähr mit meiner Meinung stehe und wie sich die Meinung der Gruppe verteilt. Bezogen auf die Frage nach Chancen und Risiken der Transformation sehe ich sofort, ob die Gruppe eher Chancen oder eher Risiken sieht. Bezogen auf die Frage nach der Anzahl der benutzten LS sehe ich, ob die Gruppe eher aus Expertys oder Anfängys besteht und wo mein Platz in dieser Reihenfolge ist.
  • Durch das Falten wird dafür gesorgt, dass die gegensätzlichsten Meinungen/Erfahrungen in eine Gruppe kommen. Das sorgt für schnelleres Verständnis zwischen den Extremen.

Maestry-Tipp 1: Stelle Fragen, die wertschätzenden Umgang miteinander erlauben

Wenn ich die Extrem-Positionen aufeinanderhetze, liegt Beef in der Luft! Wenn es ein Thema ist, bei dem persönliches Engagement involviert ist, kann dies gefährlich sein. Impfgegner und Impfpflichtbefürworter miteinander diskutieren zu lassen, funktioniert schon im richtigen Leben nicht gut. Stelle also die Fragen so, dass man sich noch gefahrlos in die Augen schauen kann und weise darauf hin, dass es im Folding Spectogram weniger um gegenseitiges Überzeugen als um Verständnis füreinander entstehen lassen geht.

Maestry-Tipp 2: Konvergenz und Divergenz

Wie beim normalen 1-2-4-All auch habe ich zwei Möglichkeiten, das „All“ zu gestalten. Möchte ich eine möglichst große Vielfalt und Anzahl an Möglichkeiten zu einem Thema sammeln, lasse ich die Vierergruppen alle Dinge vortragen, um mit dieser Vielfalt weiterzuarbeiten (Divergenz). Möchte ich die Meinungen in der Gruppe konsolidieren und zusammendampfen, lasse ich die Vierergruppe sich auf den einen, wichtigsten Aspekt einigen und habe dann am Ende nur so viele Punkte wie Vierergruppen (Konvergenz).