Helping Heuristics

Auf Deutsch etwa: Hilfemuster

Übe dich in fünf Hilfemustern, um …

Helping Heuristics. Kategorie Helfen

… anderen zu helfen,
… dir helfen zu lassen,
… um Hilfe zu bitten.

Man muss sich gegenseitig helfen, das ist ein Naturgesetz.

Jean de la Fontaine, französischer Schriftsteller

Was wird ermöglicht?

Die Teilnehmer erhalten Klarheit über ihr Interaktionsmuster und -gewohnheiten. Helping Heuristics ermöglicht es ihnen, durch eine Abfolge von praktischen Methoden ihr Verhalten bei der Arbeit mit anderen zu ändern. Heuristiken sind Abkürzungen, die es Menschen in neuen Situationen erlauben, das Wesentliche zu erkennen. Sie helfen ihnen, tiefere Einsichten in die eigenen Interaktionsmuster zu erlangen und schneller kluge Entscheidungen zu fällen. Durch eine Reihe von kurzen Interaktionen kommen Heuristiken oder einfache Daumenregeln ans Licht, die produktives Helfen ermöglichen.

Die Designelemente

1. Einladung

  • Lade die Teilnehmer dazu ein, alle menschlichen Interaktionen als Angebote zu verstehen, die entweder akzeptiert oder abgelehnt werden können (Improvisationskünstler z. B. werden darauf trainiert, alle Angebote anzunehmen).
  • Bitte sie, bei den vier Mustern der Interaktion entweder zu agieren, zu reagieren oder zu beobachten.
  • Lade sie ein, über ihre Verhaltensmuster zu reflektieren und Änderungen bzgl. der Art und Weise in Betracht zu ziehen, wie sie um Hilfe bitten, Hilfe anbieten oder Hilfe annehmen.

2. Raum und Materialien

WichtigNützlichOptional
––✏️ Stifte und 🗒️ Papier/ Post-its für die Teilnehmer, um Beobachtungen und Erkenntnisse festhalten zu können
Online Breakouträume
(siehe unsere allgemeinen Tipps für virtuelle Durchführung)
–virtuelles Whiteboard für Notizen

3. Einbindung der Teilnehmenden

  • Jeder hat die gleichen Möglichkeiten, zu lernen und teilzunehmen.
  • Die Teilnehmer wechseln im Laufe der Zeit in jeweils eine der drei möglichen Rollen.

4. Konfiguration der Gruppe

  • Dreiergruppen: Zwei Teilnehmer, die von Angesicht zu Angesicht in den Rollen Klient und Coach interagieren, sowie ein Beobachter.
  • Die ganze Gruppe für die Abschlussbesprechung.

5. Ablauf und Dauer

  1. Erkläre, dass es vier Runden von jeweils 1-2 Minuten Dauer geben wird, in denen improvisierte Interaktionen stattfinden werden. Die Gruppen wählen einen Klienten, einen Coach und einen Beobachter. Die Teilnehmer können in den Rollen bleiben oder von Runde zu Runde wechseln. In der vierten Runde wird es eine fünfminütige Abschlussbesprechung geben. (2 Minuten)
  2. In jeder Runde teilt die Person in der Rolle des Klienten eine Herausforderung, für die er brennt. Während der Beobachter genau aufpasst, reagiert der Coach nacheinander in jeder Runde mit einem anderen Muster, wie im Folgenden beschrieben.
  3. In der ersten Runde wird das Muster „Stille Präsenz“ angewendet: Der Coach akzeptiert alle Angebote durch mitfühlendes Zuhören (siehe Heard, Seen, Respected). (2 Minuten)
  4. Während der zweiten Runde wird als Antwortmuster „Geführte Entdeckung“ verwendet: Der Coach akzeptiert alle Angebote und fragt führend nach, um gemeinsame Entdeckungen zu ermöglichen (siehe Appreciative Interview). (2 Minuten)
  5. Während der dritten Runde wird das Antwortmuster „Liebevolle Provokation“ gewählt: Der Coach unterbricht mit Ratschlägen, akzeptiert oder blockt die Angebote, wenn er etwas sieht, was der Klient nicht sieht (siehe Troika Consulting). (2 Minuten)
  6. Während der vierten Runde wird das Antwortmuster „Gemeinsames Formen“ gewählt: Der Coach und der Klient akzeptieren alle gegenseitigen Angebote und arbeiten auf der Spitze ihrer Intelligenz, während sie wahrnehmen, welche neuen Möglichkeiten dadurch verstärkt werden. (2 Minuten)
  7. In der fünften Runde wird das Antwortmuster „Strukturelle Bewusstheit“ gewählt: Der Coach und der Klient reflektieren über die Struktur und wie diese die Interaktion oder Herausforderung beeinflusst und welche Struktur evtl. passender wäre. (2 Minuten)
  8. In der Abschlussbesprechung wird herausgearbeitet, wie diese vier helfenden Muster vom Klienten, dem Coach und dem Beobachter wahrgenommen wurden und welchen Einfluss sie hatten. (5 Minuten)
  9. Abhängig von der Abschlussbesprechung können alle oder einige Runden wiederholt werden, um die verschiedenen Muster zu üben.

Warum? Sinn und Zweck

  • Um verbreitete Fehler beim Bitten um Hilfe oder Anbieten von Hilfe zu reduzieren oder abzustellen.
  • Unerwünschte Muster beim Anbieten von Hilfe können geändert werden. Dies umfasst: Voreilige Lösungen; nicht benötigte Ratschläge; jemanden dazu zu drängen, die Ratschläge anzunehmen; die nächsten Schritte zu schnell angehen; sich zu sehr zurückzunehmen aus Angst, zu viel zu helfen.
  • Unerwünschte Muster beim Fragen um Hilfe können geändert werden. Dies umfasst: Misstrauen; das wirkliche Problem nicht ansprechen; Hilfe anzunehmen, ohne eigene Verantwortung zu übernehmen; nach Bestätigung statt nach Hilfe zu suchen; sich ärgern, nicht genug zu bekommen.

Tipps und Stolperfallen

  • Ermutige die Teilnehmer dazu, die Rollen in jeder Runde zu tauschen.
  • Entwickle Vertrauen, frage bescheiden nach, schaffe ein Klima, in dem man gemeinschaftlich auf Entdeckungsreise gehen kann.
  • Fokussiere dich auf die Muster, die dem Klienten helfen, eigene Lösungen zu finden (Selbstentdeckung in einer Gruppe).
  • Unterschiede im Status, im Setting, in der Körpersprache, im Verhalten und subtile Signale sollten nicht ignoriert werden.
  • Der erste Zyklus von vier Runden kann als Vorbereitung genutzt werden, um dann tiefer mit einem der Muster zu arbeiten.
  • Nach dem ersten Zyklus können die Trios entscheiden, auf welches Muster sie sich in der Arbeit in der Gruppe fokussieren wollen.

Variationen

  • Lade die Teilnehmer dazu ein, ihr eigenes Profil zu entwickeln, indem sie ihre Standard-Muster und ihre Chancen für Wachstum selber identifizieren.
  • Nimm die Liberating Structures zu Hilfe, die sich ebenfalls auf’s Geben und Nehmen konzentrieren: Troika Consulting, Wise Crowds, What I Need From You, Improv Prototyping, Simple Ethnography
  • Fang mit „spaßigen“ Mustern an: Neutral (keine Reaktion) und Blockieren durch Ignorieren oder Unterbrechen.

Anwendungsbeispiele

  • Wird benutzt, wenn Wise Crowds oder What I Need From You nicht die Zielsetzung der Gruppe erfüllen – z. B. wenn die Teilnehmer in eines der unerwünschten Muster bei der Bitte um Hilfe oder dem Anbieten von Hilfe gerutscht sind.
  • Für Krankenschwestern, Coaches, Lehrer oder andere aus der Berufsgruppe der „Helfenden“, um ihre interpersonellen Skills aufzufrischen und neue zu lernen.
  • Für jede Gruppe, die ihre berufsübergreifende Koordination verbessern will.
  • Für Liberating Structures Facilitatoren, um tiefer in die unterliegenden Muster einzusteigen, die sich in vielen Liberating Structures wieder finden.
  • Um sich mehr Optionen zu schaffen, wenn eine Frustration beim Helfen einer Person eingesetzt hat.

Zusätzliches Material

Folgende Übersicht (z. B. auf einem Flip Chart) kann man gut zur Einführung der Helping Heuristics nutzen:

  • 1. Stille Präsenz: nichts erwidern, Vertrauen herstellen, Statusunterschiede verringern, emphatisch zuhören
  • 2. Geführte Entdeckung: nichts erwidern, führend hinterfragen, um gemeinsamene Entdeckungen zu machen
  • 3. Liebevolle Provokation: Ratschläge und Vorschläge einwerfen, um voran zu kommen
  • 4. Prozess-Achtsamkeit: gemeinsam gewahr sein, was gerade im Dialog passiert und welche neuen Möglichkeiten sich dadurch ergeben

Zuschreibung

Diese Liberating Structure wurde von Henri Lipmanowicz und Keith McCandless entwickelt. Inspiriert durch Autor und Professor Edgar Schein.


Erlebe diese LS hier

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