1-2-4-All

Auf Deutsch etwa: 1-2-4-Alle

Beteilige alle, Fragen, Ideen und Vorschläge zu generieren, um …

1-2-4-All. Kategorie Offenlegen

… Personen, die nicht gerne vor Gruppen sprechen, im Paar geschützt Gehör zu verschaffen,
… Groupthink zu verhindern und so das Spektrum an Meinungen und Ideen breit zu halten,
… einen sicheren Rahmen für Austausch frei von Machtgefällen zu erschaffen,
… auf effiziente Art und Weise ein gemeinsames Verständnis zu erzeugen,
… Ideen zu schärfen, bevor sie in der ganzen Gruppe geteilt werden,
… alle bei der Suche nach Antworten zu integrieren.

Alle Menschen haben die Anlage, schöpferisch tätig zu sein. Nur merken es die meisten nie.

Truman Capote, Autor

Was wird ermöglicht?

Ihr könnt direkt alle mit einbeziehen – egal, wie groß die Gruppe ist. Ihr könnt mehr und bessere Ideen erzeugen – und das schneller als bisher. Ihr könnt verteiltes Wissen und die Vorstellungskraft aus verschiedenen Quellen anzapfen – auch wenn ihr vorher nicht einmal wisst, wo diese Quellen liegen. So entfaltet sich ein offener und fruchtbarer Austausch. Ideen und Lösungen können schnell und unkompliziert gesichtet werden. Und vor Allem stehen alle Beteiligten hinter diesen Ideen. Das vereinfacht die nachhaltige Umsetzung. Ihr braucht keine Überzeugungsarbeit mehr – so einfach und elegant!

Die Designelemente

1. Einladung

Stelle eine Frage, die sich auf ein vorher vorgestelltes Thema, ein zu lösendes Problem oder einen Vorschlag bezieht.

Beispiele: Welche Möglichkeiten siehst du, bei dieser Herausforderung Fortschritte zu machen? Wie würdest du mit dieser Situation umgehen? Welche Ideen oder Handlungsempfehlungen hast du?

2. Raum und Materialien

WichtigNützlichOptional
Genügend Platz für die Zusammenarbeit in Paaren und Vierergruppen✏️ Stifte und 🗒️ Papier/ Post-its für die Teilnehmer, um Beobachtungen und Erkenntnisse festhalten zu könnenTische und Stühle
Online Breakouträume
(siehe unsere allgemeinen Tipps für virtuelle Durchführung)
Für die Variante Folding Spectrogram:
Die Möglichkeit, TN umzubenennen, um die Paarungen fürs Falten rasch zu finden

3. Einbindung der Teilnehmenden

  • Alle werden eingebunden (der Facilitator i.d.R. nicht)
  • Alle haben die gleichen Möglichkeiten, sich einzubringen.

4. Konfiguration der Gruppe

  • Zuerst jeder für sich, dann in Paaren, dann zu viert, schließlich die ganze Gruppe

5. Ablauf und Dauer

  1. Allein: Jeder macht sich Gedanken zur gewählten Problemstellung, die als Frage verpackt wurde (siehe Beispiele unter „Die Einladung gestalten“: Welche Möglichkeiten siehst du, bei dieser Herausforderung Fortschritte zu machen? Wie würdest du mit dieser Situation umgehen? Welche Ideen oder Handlungsempfehlungen hast du?). (1 Minute)
  2. Im Zweierpaar entwickelt ihr diese Ideen weiter. (2 Minuten)
  3. In der Vierergruppe verfeinert ihr eure Ideen aus den Paaren. Achtet dabei auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede. (4 Minuten)
  4. In der Gesamtgruppe: Stelle die Frage „Welche Idee fand eure Gruppe besonders bemerkenswert?“. Jede Gruppe stellt eine wichtige Idee vor. Dieser Schritt kann bei Bedarf wiederholt werden. (5 Minuten)

Warum? Sinn und Zweck

  • Bezieht alle bei der Suche nach Antworten mit ein.
  • Vermeidet den Teufelskreis aus Kontrolle, Bevormundung und erlernter Hilflosigkeit.
  • Schafft geschützte Räume, um sich auszutauschen und auszudrücken.
  • Minimiert den Einfluss von Machtgefällen.
  • Macht auch bisher nicht ausgesprochene Gedanken explizit und erweitert dadurch die Vielfalt an Meinungen.
  • Verbessert die Qualität von Beobachtungen und Erkenntnissen, bevor diese geteilt werden.
  • Erzeugt auf natürliche Art und Weise einen Konsens und ein gemeinsames Verständnis.

Tipps und Stolperfallen

  • Sorge dafür, dass sich jeder zuerst im Stillen Gedanken macht, bevor ein Austausch stattfindet.
  • Bitte jeden, sich während der stillen Phase seine Ideen zu notieren.
  • Verwende eine Glocke, um die einzelnen Phasen anzukündigen.
  • Halte die Zeitfenster strikt ein. Führe bei Bedarf noch eine weitere Runde durch.
  • Für große Gruppen: Limitiere die Anzahl der geteilten Ideen während des Gesamtaustauschs auf drei oder vier.
  • Für große Gruppen: Lasse jemanden die Ideen und Ergebnisse sammeln, die nicht geteilt worden sind.
  • Bitte jede Gruppe, bereits schon genannte Ideen nicht zu wiederholen.
  • Isoliere die Ideengenerierung von der Gruppendiskussion.
  • Stellt Beurteilungen zurück. Visualisiert Ideen. Tobt euch aus!
  • Wenn es nicht mehr voran geht, lass die Teilnehmer eine andere Ausdrucksform ausprobieren (z.B. Impro-Theater, Zeichnen, Geschichten).
  • Achte darauf, dass nur eine Konversation gleichzeitig in der ganzen Gruppe geführt wird.
  • Führe eine zweite Runde durch, falls die Einsichten nicht tief genug waren.

Variationen

  • Haltet die Erkenntnisse, die aus den Gruppen entstehen, grafisch fest.
  • Verwendet Post-Its in den Runden 2 und 3.
  • Verknüpft entstehende Ideen mit Design StoryboardsImprov PrototypingEcocycle Planning.
  • Bildet Achtergruppen nach den Vierergruppen mit dem Ziel, auch dort Konsens zu finden. Communitymitglied Liz Rykert nennt das „Octopus“!

Anwendungsbeispiele

  • Nach einem Vortrag oder einer Präsentation, wenn ausführliches Feedback (Fragen, Kommentare und Ideen) gewünscht ist, statt des üblichen „Noch Fragen?“.
  • Um langweilig gewordenen Regelmeetings wieder Leben einzuhauchen.
  • Für eine spontane Diskussionsrunde, direkt nachdem das Thema eines Meetings angekündigt wurde.
  • Für eine Gruppe, die ein Problem angehen möchte.
  • Um Möglichkeiten zur Innovation zu identifizieren.
  • Um eine stockende oder dysfunktionale Diskussion wieder in Gang zu bringen.
  • Für Gruppen, die dazu tendieren, sich zu stark von Meinungsführern beeinflussen zu lassen.

Zuschreibung: Diese Liberating Structure wurde von Henri Lipmanowicz und Keith McCandless entwickelt.


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Die Grundlagen