Mad Tea Party

Mad Tea

Erweitere spielerisch den Rahmen für Reflexionen, Erkenntnisse und Maßnahmen, um …

… Erkenntisse lebendig zu machen, 
… spontane Assoziationen freizulegen, 
… Attitüden, Bedenken, Blockaden abzulegen

10–20 Minuten

Beschreibung

Lust auf ein wenig verrückende Bewegung? Mad Tea oder auch Mad Tea Party ist eine sogenannte Liberating Structure in Development. Das bedeutet, dass die Structure nicht zu dem ursprünglichen Kanon der 33 Liberating Structures gehört, sich aber in vielen Workshops rund um den Globus bewährt hat. Keith und Henry haben eine Liste von 11 Qualitätskriterien erarbeitet, die erfüllt sein müssen, damit eine neue Structure in den Kanon aufgenommen wird. In Wahrheit ist es aber so, dass bislang der Kanon noch nie geändert wurde. In einem späteren Artikel werden wir auf diesen Umstand und die Kriterien genauer eingehen. Für den Moment ist wichtig, dass die „Feldtests“ stets positiv ausfallen und Mad Tea inzwischen zum Standard-Repertoire vieler LS-Maestrys gehört.

Der Name ist Programm: entliehen vom verrückten Hutmacher aus Alice im Wunderland, der Alice Fragen stellt, die sie beantworten muss. Ganz ähnlich funktioniert auch die Struktur: du gibst eine Reihe Sätze zum Vervollständigen vor und die Teilnehmys finden ihre Antworten darauf.

Der zweite Namensgeber ist das Mad-Tea-Karussell aus den Disneylands. Hierbei handelt es sich um ein Fahrgeschäft von sich drehenden überdimensionalen Teetassen. Auch die Teilnehmys der Liberating Structure formen ein verrücktes Karussell: zwei sich gegeneinander verdrehende konzentrische Kreise.

Ablauf

  1. Die Teilnehmys bilden zwei konzentrische Kreise, von denen einer nach innen und einer nach außen zeigt. Jede Person steht einer anderen Person gegenüber.
  2. Die Gruppe erhält die Anweisung, das Karussell zu drehen: alle gehen einen Schritt nach rechts. Da das sowohl im inneren als auch im äußeren Kreis passiert, stehen alle vor dem übernächsten Partner in der Reihe.
  3. Alle aus einem der beiden Kreise werden aufgefordert, dreißig oder sechzig Sekunden einen offenen Satz zu vervollständigen und mit ihrem Gegenüber zu teilen.
  4. Dann kommen die Teilnehmys des anderen Kreises an die Reihe. 
    Tipp: Es kann hilfreich sein, die Sätze auf eine Leinwand zu projizieren, wenn der Raum groß ist. In großen Gruppen sind Mikrofone zur Ansage nützlich.
  5. Wenn die Zeit abgelaufen ist, wird den Teilnehmenden ein Signal gegeben (Glocke oder ein anderes Geräusch) und sie werden aufgefordert, sich erneut nach rechts zu bewegen, um mit einem neuen Partny den nächsten Satz zu vervollständigen, und so weiter. 
    Tipp: Üblicherweise werden so 10-15 offene Aufforderungen vollendet – für weniger lohnt der Zauber fast nicht, mehr werden schnell anstrengend.
Ablauf Mad Tea
Zwei Kreise verrücken sich gegeneinander für immer neue Gesprächspaarungen

Was wird ermöglicht?

Mad Tea erzeugt schnellen Austausch in Paaren, der sich auf provokante sowie leichtfüßige unvollständige Aussagen konzentriert. So ruft Mad Tea bei den Gruppenmitgliedern spontane Assoziationen, tiefere Überlegungen oder strategische Einsichten hervor. Die unvollendeten Sätze bleiben gleichermaßen bei jedem Einzelnen und erfüllen den ganzen Raum, sodass die Gruppe kollektive Einsichten formen kann (z. B. Wenn wir nichts tun, ist das Schlimmste, was uns passieren kann,…), und können etwas zu einem gemeinsamen Verständnis der strategischen Optionen und nächsten Schritte führen. Am besten für Gruppen von mehr als 10 Personen geeignet, kann Mad Tea auch in sehr großen Gruppen eingesetzt werden, solange der Raum ausreichend Platz bietet. Jeder nimmt teil. Vorab entwirfst du die Sätze und liest sie währenddessen vor. 

Mad Tea mit 100 Leuten auf dem European Learning Gathering 2019

Maestry-Tipp 1: Roter Faden

Stell die Fragen nicht einfach in beliebiger Reihenfolge, sondern nach einem bestimmten Muster oder roten Faden. Etwa durch die Abfolge der Aspekte Bestätigung, Verzweiflung, Wiederverbindung, Aktion können die Teilnehmys Vergangenes verarbeiten und offen für weitere Schritte sein. Alternativ lässt du ein Ereignis, einen Workshop, eine Entscheidung chronologisch erneut durchlaufen. Dabei greifst du die einzelnen Schlüsselerlebnisse und -erkenntnisse in den Sätzen auf. 

Maestry-Tipp 2: Mad Tea Remote

Leicht variiert lässt sich Mad Tea auch super remote durchführen. Dann heißt es Chatterfall (ein Kunstwort aus Chat und Waterfall). Die unvollendeten Fragen stellst du dabei in den Chat (idealerweise in Großbuchstaben oder mit Sternchen vorweg, damit man die Frage wiederfinden kann) und dann hat jeder 30 Sekunden Zeit , eine Antwort zu tippen. Wichtig: Noch nicht Return drücken, sondern erst auf ein Kommando alle gemeinsam abschicken. Das hat dann diesen im Namen erwähnten Wasserfall-Effekt. Danach kannst du den Teilnehmys optional noch eine gewisse Zeit geben (abhängig von der Anzahl der Antworten, nicht mehr als zwei Minuten), um die Antworten alle zu lesen und macht dann weiter mit der nächsten Frage.

Beispielsätze

  • Was ich heute gelernt habe, ist …
  • Was ich unter xyz verstehe, ist …
  • Was mich bei dieser Arbeit zuerst inspiriert hat, ist …
  • Etwas, mit dem wir lernen müssen zu leben, ist …
  • Eine Unsicherheit, an die wir uns kreativ anpassen müssen, ist …
  • Was ich in unserer derzeitigen Situation als Herausforderung empfinde, ist …
  • Bevor wir unseren nächsten Schritt machen, dürfen wir nicht vergessen, …
  • Etwas, das wir nicht mehr tun sollten, ist …
  • Was ich mir von dieser Arbeit für uns erhoffe, ist …
  • Eine große Chance, die ich für uns sehe, ist …
  • Wenn wir nichts tun, ist das Schlimmste, was uns passieren kann, …
  • Ein mutiges Gespräch, das wir nicht führen, ist …
  • Eine Maßnahme oder Praxis, die uns weiterbringt, ist …
  • Ein Projekt, das mir die Zuversicht gibt, dass wir uns verändern, ist …
  • Etwas, das wir erforschen müssen, ist …
  • Eine kühne Idee, die ich empfehle, ist …
  • Eine Frage, die sich für mich stellt, ist …
  • Wenn alles gesagt und getan ist, möchte ich …
  • Etwas, das ich zu tun gedenke, ist …