Network Patterning Cards

Network Patterning Cards

Identifiziere und gestalte produktivere Organisationsstrukturen für die Zusammenarbeit, um …

… Klarheit über die vorhandenen Muster der Gruppe zu erlangen,
… die Auswirkungen der aktuellen Organisationsstruktur(en) zu erkennen,
… mithilfe von bildhaften Metaphern die Strukturen leicht benennen zu können,
… Selbstverantwortung zu fördern

20–25 Minuten

Beschreibung

Viele der Liberating Structures sind nicht von Keith und Henri „erfunden“ im eigentlichen Sinne, sondern kuratiert, wie wir es gerne nennen. Sie haben sich von vielen Menschen inspirieren lassen, gerne aus der Komplexitätstheorie oder beispielsweise dem Impro-Theater, aber auch von Wissenschaftlys aus der Organisationsentwicklung wie in diesem Fall: Eva Schiffer hat sich mit den Informations- und Machtstrukturen im Kontext der Wasserversorgung und -Wirtschaft in Ghana auseinandergesetzt. Sie hat die häufigsten von ihr angetroffenen Strukturen zu einer Sammlung zusammengestellt, die Keith in diese Liberating Structure namensgebend eingebettet hat. Mit diesen 10 „Netzwerkmustern“ lassen sich in der Regel alle Muster in der Zusammenarbeit in Organisationen beschreiben.

Die 10 am häufigsten anzutreffenden Netzwerkmuster in Organisationen

Ablauf

  1. Händige das abgebildete Blatt mit den 10 Netzwerkmustern an jedes Teilnehmy aus.
  2. Lass den Teilnehmys kurz Zeit (2 Minuten), sich mit den Muster vertraut zu machen.
    Tipp: Beantworte keine Nachfragen zu den Mustern. Spielraum für Interpretationen sind gut und werden sich im weiteren Verlauf der Struktur auflösen.
  3. Stelle die Frage: „Welches der abgebildeten Muster entspricht am ehesten der offiziellen Struktur eurer Zusammenarbeit?“ 
  4. Jeder markiert das gewählte Muster z. B. mit einem „O“. (2 Minuten)
  5. Stelle die Frage: „Welches der abgebildeten Muster entspricht am ehesten der tatsächlich gelebten Struktur eurer Zusammenarbeit?“   
  6. Jeder markiert das gewähkte Muster z. B. mit einem „T“. (2 Minuten)
  7. Stelle die Frage: „Welches der abgebildeten Muster wäre am hilfreichsten in Hinblick auf Erreichen eures Purpose?“  (2 Minuten)
  8. Jeder markiert das gewählte Muster z. B. mit einem „H“. (2 Minuten)
  9. 1-2-4-All (15 Minuten)
    • alleine (1 Minute): „Was fällt dir auf? Welche Ideen kommen dir spontan?
    • in Paaren (3 Minuten): „Vergleicht eure Auswahl: Wo sind Gemeinsamkeiten, wo Unterschiede? Wo seht ihr Chancen und Risiken?“
    • zu viert (6 Minuten): „Teilt und vergleicht eure Erkenntnisse aus den Paaren und entwickelt eure Ideen weiter.“
    • alle (5 Minuten): „Welche wichtigen Chancen und Risiken habt ihr erkannt? Welche (eine) Idee stach aus eurer Diskussion hervor?
Der Ablauf von der LS Network Patterning Cards.
Die Choreographie der Reflexion über die Netzwerkmuster

Was wird ermöglicht?

Indem die Gruppe über Ihre eigenen Erfahrungen mit gemeinsamen Netzwerkmustern berichtet, kann sie ein tieferes Verständnis dafür entwickeln, wie sie zusammenarbeitet (oder auch nicht), und welche Möglichkeiten bestehen, ein produktiveres Muster zu gestalten. Außerdem geben diese Muster den Gruppenmitgliedern eine Sprache, um darüber zu sprechen, wie sie die Zusammenarbeit erleben, was sie schätzen oder womit sie kämpfen, und welche Art von Netzwerkstruktur sie bevorzugen. Jedes Muster birgt Herausforderungen und Chancen. Es gibt nicht die eine perfekte Lösung für die Gruppe, die es zu entdecken gilt, sondern vielmehr eine individuelle und kollektive Entscheidung darüber, wie man sich effektiv organisiert, um produktive Ergebnisse zu erreichen. 

Maestry-Tipp 1: Spielerische Erfahrung durch echte Karten

Es kann in einem Workshop-Setting ein noch spielerischerer Ansatz entstehen, wenn man die Karten nicht als Bogen verteilt, sondern die Karten ausschneidet und einzeln ausgibt. Gerade beim Vergleichen könnte man dann ähnlich wie beim Skat sein „Blatt“ zeigen.

Maestry-Tipp 2: Lass mehr Interpretationsspielraum durch Weglassen der Titel und Beschreibungen

Auf jeder Karte ist ja nicht nur eine grafische Darstellung, sondern auch ein Titel und eine Beschreibung zu sehen. Diese beeinflussen die Teilnehmys vielleicht in der Auswahl der Muster, weil bestimmte Begriffe emotional aufgeladen sind, z. B. durch die Firmenkultur. Überlege, ob es Sinn ergeben könnte, diese Titel und Beschreibungen in der ersten Auswahl wegzulassen und erst später oder gar nicht zu zeigen.

Maestry-Tipp 3: Versuche nicht, zu einer Einigung zu kommen

Es geht bei dieser Struktur nicht darum, in der Gruppe Einigung zu erzielen oder gar auf ein bestimmtes Muster einzuschwören. Die Diskussion darüber ist tatsächlich hier der Selbstzweck und bringt die Erkenntnis! In der Praxis kommt es durchaus vor, dass ein Teamleiter glaubt, das Team würde (mit ihm gemeinsam) eine geschlossene Clique (Muster 2) bilden, einzelne Teammitglieder sehen aber eine klare Hierarchie (Muster 8) oder zumindest einen Torwächter (Muster 6). Hier liegt dann der Wert in der Erkenntnis der unterschiedlichen Sichtweisen und Erwartungshaltungen. Taucht in die Sinnstiftung ein!