Tiny Demons

Auf Deutsch etwa: Kleine Dämönen

Lerne deine eigenen Dämonen kennen und schätzen, um

… liebevoller mit ihnen umzugehen,
… zu realisieren, was dich hemmt und hindert,
… offen und spielerisch eigene Schwächen aufzudecken und zu lernen.

Ideale Personen 2-99+ / Solo

Dauer 12–20 Minuten

Du kannst die Wellen nicht stoppen, aber du kannst lernen zu surfen.

Jon Kabat-Zinn

Beschreibung

Strichzeichnungen von Monstern
Drei niedliche Dämonen, die in uns schlummern.

Bei Tiny Demons (manchmal auch Drawing Monsters genannt) geht es darum, Dinge, die wir fürchten, an die Oberfläche zu bringen und somit an und mit diesen Ängsten zu arbeiten. Dadurch ermöglichst du der Gruppe, sich mit eigenen Ängsten anzufreunden und spielerisch zu lernen, mit ihnen umzugehen. Es sind keinerlei Zeichenkenntnisse erforderlich!

Tiny Demons ist eine Liberating Structure in Development, was einfach nur bedeutet, dass sie noch nicht in allen möglichen Szenarien auf Herz und Nieren getestet ist und noch nicht immer vorhersagbare Resultate liefert.

Ablauf

  1. Lade ein: „Mach nur für dich eine Liste mit ca. 6 Ängsten, Befürchtungen oder Unsicherheiten auf einem Blatt Papier.“ (2 Minuten)
  2. „Dreh das Blatt Papier um und teile es in vier Quadranten (durch Falten oder Striche).“ (< 1 Minute)
  3. Lade nacheinander dazu ein, die vier Quadranten wie folgt zu befüllen:
    „Male in die ersten Abschnitt etwas Rundes,“
    „in den zweiten eine verschnörkelte Linie,“
    „in den dritten eine eckige, geschlossene Form“
    „und in den vierten Abschnitt kritzle eine Form deiner Wahl.“ (je < 1 Minute)
  4. „Jetzt verwandle jede dieser Formen in einen Dämonen oder ein Monster, indem du z.B. Augen, Zähne, Haare, Flügel, Klauen oder ähnliches hinzufügst. (2–5 Minuten)
  5. „Jetzt schau wieder auf deine Liste mit Ängsten: Welche Angst passt zu welchem Dämon? Ordne vier deiner Ängste jeweils einem der Dämonen zu. Gib den Dämonen passende Namen, die die Ängste widerspiegeln.“ (2 Minuten)
  6. „Jetzt wähle dir eine (oder mehrere) Dämonen aus, die du mit anderen Augen sehen möchtest. Zeichne den ausgewählten Dämon tanzend! Lass ihn eine Party feiern und etwas Schönes tun. Tu dies entweder in der Ursprungszeichnung oder nimm ein neues Blatt Papier dafür. Wenn du willst, ergänze auch einen neuen Namen für den Dämon, um seinem neuen Charakter gerecht zu werden.“ (1-2 Minuten pro Dämon)
  7. Optional: Veranstalte eine Monsterparty! „Lauft in der Gruppe umher, zeigt eure tanzenden Dämonen und schaut euch die anderen an.“ (virtuell: halte deine Dämonen in die Kamera) (2–5 Minuten)
  8. Ermutige spielerisch: „Steck dir das Blatt in die Hosentasche, bevor du dich das nächste Mal in der entsprechenden Situation befindest. Dann denke an deine kleinen Monster, die zu dir gehören, dich aber nicht kontrollieren. Sei lieb zu deinen Monstern.“ (1 Minute)

Solo / Buddy

Solo: Stell dir die Aufgaben aus den Schritten 1–6 & 8 selbst.
Mit Buddy: Zeigt euch eure Monster gegenseitig, habt eine kleine Party.

Was wird ermöglicht?

Unsere Ängste sowie bestimmte Verhaltensmuster und Charakterzüge haben wir als Schutzmechanismen entwickelt. Sie gehören zu uns und doch behindern sie uns regelmäßig. Sie können lähmen und verhindern, dass wir wichtige Schritte gehen oder Denkrichtungen einschlagen, die uns und anderen helfen oder voranbringen. Tiny Demons hat zwei Apekte: zum einen muss man sich seinen Ängsten ein Stück weit stellen, indem man sie zunächst auflistet. Das ist oft schon der erste Schritt, bewusster mit den Ängsten umzugehen und sie vielleicht sogar anzugehen. Zum anderen – und meist viel kraftvoller – ist dies eine gute Methode, um mindestens eine der Ängste liebevoll ins Lächerliche zu ziehen und ihr damit die Schwere und die Bedeutung zu nehmen. Oder sie einfach erstmal zu akzeptieren und anzuerkennen. Oft bringt dies gute Laune und eine Leichtigkeit mit sich, die der Angst den Schrecken nimmt.

Die Nähe zu Anxiety Circus ist nicht zu übersehen. Während es beim Anxiety Circus darum geht, die größten Ängste innerhalb einer Gruppe zu finden, ermöglichen Tiny Demons, sich den eigenen Ängsten zu stellen. Das ist persönlicher und kann tiefer gehen.

Maestry-Tipp 1: Mehr als Ängste

Anstellen von Ängsten kannst du auch Glaubenssätze, Verhaltensmuster, Ticks, Charakterzüge aufdecken lassen, um auch diese zu umarmen und nicht mehr ganz so schwer oder ernst zu nehmen.

Maestry-Tipp 2: Ängste, keine Albträume

Nimm vielleicht nicht deinen schlimmsten Albtraum, sondern eine Angst, die zwar real ist, der man sich aber gefahrlos stellen kann, auch wenn andere Leute mit im Raum sind. Es kann möglicherweise sehr hilfreich sein, die Ängste im konkreten Kontext zu benennen, z. B. für das geplante Vorhaben oder den anstehenden Workshop.

Zuschreibung

Vielen Dank an Lynda Barry für die Idee und ursprüngliche Fassung und Nancy Wright White, S. Fisher Qua und vielen anderen für die Evolution dieser Liberating Structure in Development.